| warum eigentlich geben mütter
und väter ihren kindern so merkwürdige namen?
ich hätte doch auch mal gefragt werden können, ob mir der name
HEIKE
mein ganzes leben lang anhaften solle!
"Heikeeeeeeeeee komm reeeeiiiiiinn, esssssennnnn!"
oder
"Heikeeeeeeeeee räum endlich deinen Saustall aaaauuufffffffffff!"
nein,
also wirklich. diese schrillen töne beleidigten stets auf`s neue meine
zarten ohren.
warum eigentlich nannten mich meine eltern nicht helene, oder susanna
oder louise??
"Helene, würdest du dich bitte an den Tisch begeben und mit uns speisen?."
oder
"Helene, wir sind schon der Ansicht, dein Zimmer sollte vielleicht wieder
einmal ein wenig aufgeräumter erscheinen..."
aber nichts zu ändern, meine eltern nannten mich HEIKE.
natürlich sind heikebabys stramm, großäugig und mit einem offenen blick
versehen. ausserdem scheint 1966 ein gutes
jahr gewesen zu sein.
es ist erstaunlich, was im jahr meiner geburt so alles geschah.
ist es zufall, dass gerade im jahr 1966 die entschlüsselung des genetischen
codes als abgeschlossen galt und Har Gobind Khorana, R.W.Holley und
M.W. Nirenberg 1968 den nobelpreis für medizin erhielten? doch nicht
nur das, genau am 9.4.1966 befasste sich Ian Birchall mit der arbeiterbewegung
und der parteiherrschaft und schrieb seitenlange abhandlungen darüber.
allerdings stellt sich mir im nachhinein die frage, ob er nicht im kreissaal
hilfreicher gewesen wäre. wie dem auch sei. jedenfalls war ich
heike hultsch also auf der welt, und als 1968 Luis Walter Alvarez (1911-1988),
USA für seinen entscheidenden beitrag zur elementarteilchenphysik,
insbesondere seine entdeckung einer großen anzahl von resonanzzuständen,
ermöglicht durch seine entwicklung von techniken mit der wasserstoffblasenkammer
und datenanalyse auch noch einen nobelpreis erhielt, quälte ich mich
gerade mit so wichtigen dingen wie das fortbewegen eines kinderwagens.
im grunde hatte ich hilfe erwartet, hilfe meines älteren bruders Bernd,
der immerhin bereits seit 1961 auf der welt war und sich damit hätte
auskennen müssen. aber nein, Bernd hockte immer nur hinter mir, griente
mich an und stänkerte ständig. ich kann mich noch gut an eine episode
erinnern, als sich das hölzerne ende des fleischklopfers im gläsernen
küchenschrank wiederfand und alles porzellan zertrümmerte. bernd zielte,
verfehlte mich und dieses instrument zur optischen vergrößerung der
fleischstücke glitt ihm aus der hand. die gesamte kücheneinrichtung,
nein, ich übertreibe, alle teller und tassen und gläser, sowie die kostbaren
glasscheiben des schrankes gingen zu bruch.
den stubenarrest, den wir von unseren eltern erhielten, sollten wir
gemeinsam in unserem zimmer aussitzen. klar, dass es Bernd nicht lang
in diesem zimmer hielt, und da er die fähigkeiten eines kletteraffens
besaß, seilte er sich mit dem bettlaken aus dem zweiten stock und vergnügte
sich beim gerade stattfindenden dorffest.
ach. wäre ich doch ein junge geworden.
ich hätte mich mit davon gemacht, mich wie so oft an seinen hosenbund
geheftet und mich in unserem dorf herumgetrieben. selbst die "kopfnüsse"
von ihm und seinen kumpanen hätte ich in kauf genommen, wäre ich nur
dieser isolation entronnen.
manchmal denke ich, meine eltern wollten gar nicht sehen, was wir für
dummheiten anstellten, wie wir sie austricksten.
sonst hätten sie doch beispielsweise den großen spiegel im flur
entfernt, von dem wir wohl einen großen teil unserer aufklärung erhielten.
zum beispiel gerade dann, als nach 22.00 uhr im DDR fernsehen der film
"Sieben Sommersprossen" lief und wir das erste mal eine nackte brust
sahen.eine nackte brust und sommersprossen.
aber ich schweife ab.
jedenfalls ging ich dann irgendwann in den kindergarten und meine eltern
erfüllten mir an fasching einen wunsch, den ich wohl bis heute in mir
trage.
ich durfte prinzessin sein.
1972
wurde ich eingeschult und fand die welt einfach klasse.
was ahnte ich von liebeskummer, was ahnte ich vom internet, was wusste
ich schon von schlechten schulnoten. ich wollte einfach nur schreiben,
lesen und rechnen lernen. mein größtes problem war damals die schmerzhafte
prozedur des haarekämmens und zöpfe binden.
aber ordnung musste sein, ordnung ist das halbe leben.
manchmal sprach meine ma wie mein großvater, der buchhalter. also wurden
die haare gekämmt, zusammengebunden und der scheitel mit spucke meiner
ma haltbar gemacht.
natürlich war mir die spucke meiner ma immer noch lieber als die pomade
meines großvaters.
hätte ich also die wahl gehabt, die ich natürlich nicht hatte, ich hätte
mich für spucke meiner ma entschieden, die ich sowieso immer auf dem
kopf trug.
ich trug also immer meine ma mit mir rum. von da wirkte sie wahrscheinlich
auch in meinen kopf, den während der ersten jahre war ich eine blendende
schülerin. blendende noten, blendendes benehmen. es war immer einfach
alles blendend.
jedenfalls schien meine ma glücklich zu sein, denn 1974 wurde mir das
vergnügen zuteil ein brüderchen zu bekommen.
endlich konnte auch ich einmal diesen jungen, den meine eltern
André
nannten, ärgern. natürlich musste ich warten, bis ich die möglichkeit
erhielt, meine überlegenheit auszuspielen. so ein süßes baby ärgert
man doch nicht. und ein süßes baby war er wirklich. er war so niedlich,
dass ich gar nicht merkte, wie er älter wurde, aus dem niedlichen baby
ein niedlicher junge wurde und ich den zeitpunkt verpasste, an dem auch
ich mit irgendwelchen gegenständen auf ihn hätte losgehen können. mit
ihm gemeinsam stubenarrest absitzen durfte. ich war wahrscheinlich wirklich
die ältere, ihn beschützende schwester. jedenfalls kann ich mich nicht
erinnern, ihn geärgert zu haben. vielleicht lag es auch daran, dass
der altersunterschied zwischen uns zu groß war.
denn während in meinem kopf bereits die ersten jungs rumspukten, spielte
mein inzwischen fünfjähriger bruder noch auf irgendwelchen fahrzeugen
und wurde von mir nur müde belächelt.
doch vielleicht war der grund auch der, dass ich bereits mit meiner
jugendweihe ausreichend beschäftigt war.
ich sollte schuhe tragen, gegen die sich meine füße einfach sträubten,
die ich niemals angezogen hätte.
bis kurz vor dieser veranstaltung weigerte ich mich, diese altmodischen
dinger zu tragen. neue schuhe erhielt ich, die rüschenbluse und der
rüschenrock blieben mir jedoch nicht erspart.
aber wir waren damals zum glück wohl alle ziemlich
rüschisch.
jedenfalls nahm ich an der geweihten jugend teil und beendete die schule.
1982 begann ich mit einer ausbildung, zu der ich besser nichts schreiben
möchte und verliebte
mich das erste mal ziemlich heftig. es erstaunt mich auch heute noch,
wie sich dieser mann, in diese frau, also in mich, verlieben konnte
und es drei lange jahre mit dieser art freßmonster aushielt.
der traum, unterstufenlehrerin zu werden, scheiterte
am fehlenden studienplatz, und da ich dies bis zuletzt nicht wahrhaben
wollte, wählte ich also die ausbildung mit der kürzesten lehrzeit.
der vorteil lag eindeutig auf der hand, bereits im alter von 18 jahren
konnte ich mir meine eigene wohnung leisten und im intershop einkaufen
gehen. 1984 beendete ich diese lehre und jobte bis 1986 nicht nur in
diesem beruf.
1986 begann ich meine tätigkeit in verschiedenen kindergärten unserer
region. hypermotiviert und ungelernt. und neu verliebt.
verliebt in den mann, der später der vater meiner tochter werden sollte.1988
schrieb ich mich drei wochen vor der entbindung an der pädagogischen
schule für kindergärtnerin in karl-marx-stadt ein und begann ein studium
zur erzieherin. hochschwanger, mit geschwollenen beinen und geschwollenem
kopf saß ich da also und studierte. zwischen jungen, gutaussehenden
knackigen frauen, ich, eine schwangere, unförmige werdende mutti. nur
gut, das ich das glück hatte im krankenhaus zu entbinden und nicht in
der aula dieses institutes.
am 17.3.1988 hielt ich also mein töchterchen christin, die sich übrigens
heute ebenfalls über ihren namen beschwert, in den armen. es war eine
merkwürdige zeit.einerseits war ich eine junge mutti mit verantwortung
und sehr viel liebe für mein kind, studierte aber auch und war irgendwie
mittendrin. mitten im leben, nicht nur auf meine kleine familie fixiert.
1989 zählte ich dann zu den alleinerziehenden müttern und 1991 durfte
ich mich mit dem gesamtprädikat "gut" kindergärtnerin nennen. inzwischen
wurde ich bereits als leiterin eines kindergartens eingesetzt.
während ich hier meinen "lebenslauf" tippe, erscheint es mir schon
merkwürdig, dass ich kaum länger als drei jahre einen beruf ausübte
und meine beziehungen diese zeitspanne ebenfalls nicht überdauerten.
1991 begann ich nämlich mit einer umschulung zur hotelfachfrau, die
ich 1993 beendete und meine berufliche erfüllung als geschäftsführerin
eines restaurants fand.., im januar 1997 war es an der zeit für neue
veränderungen, denn ich begann diverse weiterbildungen um schließlich
als inkassobevollmächtigte tätig zu werden. ist es meine berufung oder
sollte ich etwa ruhiger geworden sein, dass ich noch immer auf diesem
gebiet arbeite?
jedenfalls überdauerte dieser beruf drei jahre, denn er dauert immer
noch an.
im juni 2005 durfte ich nach 14 monaten berufsbegleitender ausbildung
eine IHK prüfung ablegen und einen weiteren berufsabschluss in
meinen schreibtisch packen.
männer?
ja.
auch die gab und gibt es in meinem leben.;o)
doch das sind andere geschichten... 
<<
zurück |